Tragen oder Kinderwagen? Was Babys in den ersten Monaten wirklich brauchen

Tragen oder Kinderwagen? Erfahre, was dein Baby in den ersten Monaten wirklich braucht, worauf es beim Tragen ankommt und wie beides gut zusammenpasst.

Tragen oder Kinderwagen? Was Babys in den ersten Monaten wirklich brauchen
Inhalt des Beitrags

    Tragen oder Kinderwagen, was ist eigentlich besser für mein Baby?

    Diese Frage höre ich als Hebamme sehr oft. Und die Antwort ist weniger schwarz weiß, als viele denken.

    Das Wichtigste, was Babys in den ersten Lebensmonaten brauchen, ist nämlich nicht unbedingt eine Trage oder ein Kinderwagen, sondern vor allem eines: Nähe.

    Neun Monate lang war dein Baby ganz nah bei dir. Es hat deinen Herzschlag gehört, deine Bewegungen gespürt, deine Wärme und deine Stimme wahrgenommen. Nach der Geburt ist diese Nähe nicht plötzlich weniger wichtig. Im Gegenteil: Körperkontakt gibt vielen Babys Sicherheit und Geborgenheit und hilft ihnen dabei, sich an die neue Welt außerhalb des Bauches zu gewöhnen.

    Deshalb möchten viele Neugeborene in den ersten Wochen besonders häufig auf den Arm oder getragen werden. Das bedeutet nicht, dass sie verwöhnt sind oder dass etwas falsch läuft. Nähe ist in dieser Zeit ein ganz normales Grundbedürfnis.

    Dabei ist natürlich jedes Baby anders. Manche genießen den Kinderwagen von Anfang an, andere fühlen sich zunächst auf dem Arm oder in der Trage deutlich wohler. Es geht deshalb nicht darum, Trage und Kinderwagen gegeneinander auszuspielen, sondern herauszufinden, was deinem Baby und euch als Familie guttut.

    Warum viele Babys getragen werden möchten

    Dass Babys so viel Nähe suchen, ist kein Zufall. Nach der Geburt sind die vertrauten Sinneseindrücke aus der Schwangerschaft plötzlich nicht mehr ständig da. Beim Tragen erlebt dein Baby wieder vieles, was ihm bekannt ist: deine Wärme, deine Stimme, deinen Herzschlag und die sanften Bewegungen deines Körpers. Das kann beruhigend wirken und ihm helfen, sich sicher und geborgen zu fühlen.

    Deshalb schlafen manche Babys beim Tragen besonders leicht ein oder lassen sich schneller beruhigen. Gerade in einer lauten oder ungewohnten Umgebung kann die Nähe in der Trage außerdem dabei helfen, die vielen neuen Eindrücke etwas zu reduzieren und besser zur Ruhe zu kommen.

    Und nein: Du kannst dein Baby mit Liebe, Nähe und Körperkontakt in den ersten Lebensmonaten nicht verwöhnen. Wenn dein Baby getragen werden möchte, folgt es damit einem ganz natürlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Nähe.

    Was das Tragen im Alltag so praktisch macht

    Neben der Nähe hat das Tragen natürlich auch ganz praktische Vorteile. Du hast beide Hände frei und kannst viele Dinge im Alltag erledigen, während dein Baby ganz nah bei dir ist. Gerade mit einem Neugeborenen kann das eine enorme Erleichterung sein.

    Auch für Treppen, enge Geschäfte, Reisen oder Spaziergänge in Gegenden, in denen ein Kinderwagen eher unpraktisch ist, kann eine Trage unglaublich hilfreich sein.

    Viele Eltern erleben außerdem, dass ihr Baby in der Trage leichter zur Ruhe kommt. Die aufrechte Position und die sanften Bewegungen können für manche Babys angenehm sein, zum Beispiel wenn sie unruhig sind oder Bauchbeschwerden haben.

    Wichtig ist dabei natürlich, dass die Trage richtig sitzt und zu euch passt. Eine ergonomische Trageweise unterstützt die natürliche Haltung deines Babys. Die leicht gerundete Rückenhaltung und die sogenannte Anhock Spreiz Haltung der Beine entsprechen dabei der natürlichen Position eines jungen Babys.

    Worauf es beim Tragen wirklich ankommt

    Nicht jede Trage passt zu jeder Familie. Und das ist völlig normal. Jeder Körper ist anders und auch Babys unterscheiden sich in Größe, Entwicklung und Bedürfnissen. Was für eine Familie perfekt funktioniert, muss für die nächste nicht genauso gut passen.

    Ob Tragetuch oder Tragehilfe: Beides kann eine tolle Lösung sein, wenn es richtig angewendet wird und ihr euch damit wohlfühlt. Entscheidend ist nicht die Marke oder der Preis, sondern vor allem die richtige Passform und eine sichere Anwendung.

    Dein Baby sollte dabei eine leicht gerundete Rückenhaltung einnehmen und die Beine in der Anhock Spreiz Haltung positioniert sein. Besonders bei Neugeborenen sollte der Kopf gut gestützt werden. Gleichzeitig müssen Gesicht, Nase und Mund jederzeit frei bleiben, damit dein Baby ungehindert atmen kann.

    Eine gute Orientierung ist die sogenannte „Köpfchen zum Küssen“ Höhe: Dein Baby sollte so hoch getragen werden, dass du ihm ganz einfach einen Kuss auf den Kopf geben kannst.

    Wenn du gerade erst mit dem Tragen anfängst, darf sich das Anlegen übrigens ruhig erstmal etwas kompliziert anfühlen. Das geht vielen Eltern so. Mit ein bisschen Übung wird es meistens schnell zur Routine. Und wenn du unsicher bist, kann eine Hebamme oder Trageberaterin euch beim Anlegen unterstützen und die Trage individuell anpassen. Oft machen schon kleine Veränderungen einen großen Unterschied.

    Und was spricht für den Kinderwagen?

    Auch der Kinderwagen hat seinen festen Platz im Familienalltag. Besonders für längere Spaziergänge kann er eine sehr angenehme Möglichkeit sein, dein Baby unterwegs zu transportieren, während dein eigener Körper zwischendurch entlastet wird.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt kann das für Mama eine wichtige Rolle spielen. Rücken, Schultern und auch der Beckenboden sind nach Schwangerschaft und Geburt noch in der Regeneration und brauchen Zeit, um sich zu erholen. Nach einer anstrengenden Geburt oder einem Kaiserschnitt kann es deshalb besonders angenehm sein, nicht jedes Mal das zusätzliche Gewicht des Babys tragen zu müssen.

    Dazu kommt der praktische Aspekt: Im Kinderwagen ist Platz für Wickeltasche, Einkäufe und alles, was ihr unterwegs so braucht. Manche Babys schlafen dort wunderbar und genießen die sanften Bewegungen während eines Spaziergangs.

    Und auch im Kinderwagen kannst du deinem Baby natürlich ganz viel Nähe geben. Blickkontakt, deine Stimme, eine sanfte Berührung oder eine kleine Kuschelpause zwischendurch vermitteln Sicherheit und Geborgenheit.

    Kann ich mein Baby zu viel tragen?

    Diese Frage höre ich als Hebamme ebenfalls sehr häufig. Die gute Nachricht: In den ersten Lebensmonaten kannst du dein Baby mit Liebe, Nähe und Körperkontakt nicht verwöhnen.

    Babys werden nicht getragen, weil sie manipulieren möchten. Sie zeigen damit ein ganz normales Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit.

    Trotzdem bedeutet das natürlich nicht, dass dein Baby den ganzen Tag ausschließlich in der Trage verbringen sollte. Auch die freie Bewegung ist wichtig für seine Entwicklung. Dein Baby braucht Zeit auf einer sicheren Unterlage, auf der es sich strecken, bewegen und seine Muskulatur ausprobieren kann. Wenn es wach ist, gehört auch regelmäßige Bauchlage dazu.

    Tragen, Kuscheln, Spielen auf dem Boden und Schlafen ergänzen sich deshalb im Alltag. Es muss nicht immer das eine oder das andere sein.

    Wann solltest du dir Unterstützung holen?

    Wenn dein Baby sich weder in der Trage noch im Kinderwagen oder auf dem Arm wohlzufühlen scheint, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auch wenn dir das Tragen Rücken, Schulter oder Beckenschmerzen bereitet oder du unsicher bist, ob dein Baby sicher und ergonomisch sitzt, kannst du dir Unterstützung holen.

    Eine Hebamme oder Trageberaterin kann euch zeigen, worauf es bei der Position und beim Anlegen ankommt und die Trage gemeinsam mit euch anpassen.

    Wenn dein Baby beim Tragen Schwierigkeiten mit der Atmung hat oder auffällig unwohl wirkt, solltest du die Position deines Babys und die Anlegeweise überprüfen und gegebenenfalls Unterstützung durch eine Hebamme oder Trageberaterin holen. Bei Atemproblemen sollte zusätzlich umgehend medizinischer Rat eingeholt werden

    Tragen oder Kinderwagen? Beides darf sein.

    Am Ende musst du dich gar nicht entscheiden. Die meisten Familien nutzen im Alltag ganz selbstverständlich beides.

    Mal möchte dein Baby ganz nah bei dir sein und die Trage ist genau das Richtige. Mal seid ihr lange unterwegs und der Kinderwagen ist praktischer. Und manchmal möchtest auch du einfach deine Hände frei haben oder deinen eigenen Körper entlasten.

    Es geht also nicht darum, was grundsätzlich besser ist. Es geht darum, was in der jeweiligen Situation zu euch und eurem Baby passt.

    Und wenn dein Baby in den ersten Monaten besonders viel getragen werden möchte, darfst du das ganz entspannt annehmen. Nähe ist kein Luxus und keine schlechte Angewohnheit. Für dein Baby bist du in dieser neuen Welt der vertrauteste Ort überhaupt.

    Love, eure baybies Hebamme Ana 🤍