Muss mein Baby wirklich Bäuerchen machen? Die Wahrheit über Luft im Bauch

Dein Baby stößt nach dem Trinken einfach nicht auf? Erfahre, warum nicht jedes Baby ein Bäuerchen braucht, was wirklich hinter Luft im Bauch steckt und welche Positionen dabei helfen können.

Muss mein Baby wirklich Bäuerchen machen? Die Wahrheit über Luft im Bauch
Inhalt des Beitrags

    Du hältst dein Baby schon seit 15 Minuten auf der Schulter, aber das Bäuerchen kommt einfach nicht? Viele Eltern sorgen sich, wenn ihr Baby nicht aufstößt. Die gute Nachricht: Nicht jedes Baby muss nach jeder Mahlzeit ein Bäuerchen machen. Was wirklich hinter Luft im Bauch steckt und wann Aufstoßen sinnvoll ist, erkläre ich dir hier.

    Warum entstehen überhaupt Luftblasen im Bauch?

    Beim Trinken schlucken Babys ganz automatisch auch etwas Luft mit, das ist völlig normal. Wie viel Luft dabei in den Magen gelangt, ist jedoch von Baby zu Baby unterschiedlich.

    Mögliche Ursachen für vermehrtes Luftschlucken sind zu hastiges oder sehr gieriges Trinken, ein sehr starker Milchspendereflex beim Stillen, Schwierigkeiten beim Anlegen, sodass nicht nur die Brustwarze, sondern auch Luft eingesaugt wird, ein ungeeigneter Flaschensauger oder ein zu großer Milchfluss aus der Flasche, Weinen vor oder während der Mahlzeit sowie häufiges Absetzen und erneutes Anlegen oder Trinken mit vielen Unterbrechungen.

    Wichtig zu wissen: Die geschluckte Luft sammelt sich zunächst im Magen. Dort kann sie Druck verursachen und durch ein Bäuerchen entweichen. Gelangt sie weiter in den Darm, wird sie meist später als Pups ausgeschieden. Nicht jede Blähung entsteht durch geschluckte Luft, denn auch bei der ganz normalen Verdauung bilden sich Gase im Darm. Geschluckte Luft kann Bauchbeschwerden zwar verstärken, ist aber nicht die einzige Ursache für einen aufgeblähten Bauch oder Blähungen.

    Mein Hebammen-Tipp: Wenn du den Eindruck hast, dass dein Baby beim Trinken regelmäßig viel Luft schluckt oder häufig unter Bauchbeschwerden leidet, kann es hilfreich sein, das Stillen oder Füttern gemeinsam mit deiner Hebamme anzuschauen. Oft können schon kleine Veränderungen beim Anlegen, der Stillposition oder der Wahl des Flaschensaugers einen großen Unterschied machen.

    Muss jedes Baby ein Bäuerchen machen?

    Nein, nicht jedes Baby muss nach jeder Mahlzeit ein Bäuerchen machen. Wie viel Luft ein Baby beim Trinken schluckt, ist ganz unterschiedlich: Manche Babys trinken ruhig und gleichmäßig und nehmen dabei nur wenig Luft auf, andere schlucken mehr. Gibt es nur wenig geschluckte Luft, gibt es manchmal auch einfach nichts zum Aufstoßen.

    Mit zunehmendem Alter trinken viele Babys außerdem immer effizienter. Dadurch kann es sein, dass sie seltener ein Bäuerchen machen, und das ist völlig normal. Ein fehlendes Bäuerchen ist kein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Entscheidend ist, wie es deinem Baby insgesamt geht, nicht, ob nach jeder Mahlzeit ein Aufstoßen kommt.

    Beobachte dein Baby: Hat es entspannt getrunken, wirkt zufrieden und zeigt keine Anzeichen von Unwohlsein, kannst du ihm nach der Mahlzeit ein Bäuerchen anbieten. Kommt innerhalb weniger Minuten keines, musst du es nicht erzwingen. Viele Babys brauchen nach dem Trinken einfach kein Bäuerchen, die Luft entweicht später auf natürlichem Weg über den Darm.

    Stillen oder Fläschchen, macht das einen Unterschied?

    Ob ein Baby gestillt oder mit der Flasche gefüttert wird, entscheidet nicht allein darüber, ob es ein Bäuerchen braucht. Viel wichtiger ist, wie das Baby trinkt.

    Beim Stillen passt sich die Brust meist gut an den Mund des Babys an. Trotzdem können auch Stillbabys Luft schlucken, zum Beispiel bei einem starken Milchspendereflex, einer ungünstigen Anlegetechnik oder wenn sie sehr hastig trinken. Auch Flaschenkinder können entspannt und mit wenig Luft trinken. Entscheidend sind unter anderem ein passender Sauger, ein angemessener Milchfluss und eine ruhige, aufrechte Fütterungsposition.

    Deshalb gilt: Sowohl Still- als auch Flaschenbabys können nach dem Trinken ein Bäuerchen brauchen oder eben auch nicht. Nicht die Art der Ernährung entscheidet, sondern wie dein Baby trinkt.

    Woran erkenne ich, dass die Luft mein Baby stört?

    Nicht jedes Baby, das Luft geschluckt hat, zeigt Beschwerden. Manche Babys stoßen einfach auf oder pupsen später, ganz ohne Unwohlsein. Mögliche Anzeichen dafür, dass geschluckte Luft unangenehm sein könnte, sind, dass dein Baby beim oder nach dem Trinken unruhig wirkt, die Mahlzeit immer wieder unterbricht und sich schwer beruhigen lässt, sich windet oder überstreckt, zeitweise die Beinchen an den Bauch zieht, häufiger aufspuckt oder nach dem Trinken unzufrieden wirkt und sich erst nach einem Bäuerchen oder dem Abgang von Luft wieder zu entspannen scheint.

    Wichtig zu wissen: Diese Anzeichen können viele Ursachen haben. Müdigkeit, Hunger, das Bedürfnis nach Nähe oder die normale Verdauung können sich ganz ähnlich zeigen. Nicht jedes Schreien oder jedes Anziehen der Beinchen bedeutet automatisch, dass dein Baby Blähungen hat oder ein Bäuerchen braucht. Babys kommunizieren mit ihrem ganzen Körper, ein einzelnes Zeichen reicht selten aus, um die Ursache sicher zu erkennen. Deshalb lohnt es sich, dein Baby als Ganzes zu beobachten, statt nur auf ein vermeintliches "Blähungs-Symptom" zu achten.

    Was passiert, wenn kein Bäuerchen kommt?

    Viele Eltern machen sich Gedanken, wenn ihr Baby nach dem Trinken nicht aufstößt. Die gute Nachricht: Ein fehlendes Bäuerchen bedeutet nicht automatisch, dass dein Baby später Bauchschmerzen bekommt. Geschluckte Luft muss nicht immer über den Mund entweichen, sie kann auch weiter durch den Verdauungstrakt wandern und den Körper später ganz natürlich als Pups verlassen.

    Hat dein Baby sehr schnell getrunken, vor der Mahlzeit viel geweint oder wirkt es nach dem Trinken unruhig, kannst du ihm natürlich ein Bäuerchen anbieten. Kommt jedoch nach einigen Minuten keines und dein Baby wirkt entspannt, musst du nichts erzwingen. Mit der Zeit lernst du die Signale deines Babys immer besser kennen und wirst merken, wann es tatsächlich Unterstützung beim Aufstoßen braucht und wann es auch ohne Bäuerchen zufrieden ist. Ein Bäuerchen ist nur ein Weg, wie Luft den Körper verlassen kann. Der andere, genauso normale Weg führt über den Darm.

    Wie lange sollte man auf ein Bäuerchen warten?

    Es gibt keine feste Regel. Oft reichen bereits drei bis fünf Minuten, um zu sehen, ob dein Baby aufstoßen möchte. Kommt in dieser Zeit kein Bäuerchen und dein Baby wirkt zufrieden und entspannt, musst du nicht länger warten.

    Direkt nach dem Trinken kann es hilfreich sein, dein Baby noch einen kurzen Moment aufrecht auf dem Arm zu halten. Manche Babys stoßen erst nach ein oder zwei Minuten auf oder spucken noch einen kleinen Schluck Milch. So kannst du in Ruhe beobachten, wie es deinem Baby geht.

    Welche Positionen helfen beim Bäuerchen?

    Es gibt keine "richtige" Position, wichtig ist, dass dein Baby gut gestützt ist und ihr euch beide wohlfühlt. Mögliche Positionen sind über der Schulter, wobei das Baby mit dem Oberkörper auf deiner Schulter liegt und gut gestützt wird, sitzend auf deinem Schoß, wobei du Kopf und Brust sanft mit deiner Hand stützt, oder bäuchlings über deinen Oberschenkeln, wobei dein Baby mit dem Bauch auf deinen Beinen liegt, während Kopf und Nacken gut abgestützt werden. Oft reicht es schon, den Rücken sanft zu streicheln oder leicht zu reiben, kräftiges Klopfen ist meist gar nicht nötig.

    Jedes Baby ist anders. Manche stoßen auf der Schulter am besten auf, andere lieber im Sitzen oder brauchen gar keine bestimmte Position. Mit der Zeit wirst du herausfinden, was deinem Baby am angenehmsten ist.

    Kann zu viel "Bäuerchen machen" auch nachteilig sein?

    Ein Bäuerchen anzubieten ist grundsätzlich kein Problem. Manchmal kann jedoch zu viel Ehrgeiz rund ums Aufstoßen eher Unruhe in die Situation bringen. Wenn Eltern die Mahlzeit ständig unterbrechen, das Baby immer wieder in verschiedene Positionen bringen, lange auf ein Bäuerchen warten oder hektisch klopfen und versuchen, das Aufstoßen zu erzwingen, kann das Baby dadurch unruhig werden oder aus seinem entspannten Zustand herausgerissen werden. Manche Babys werden dadurch sogar wieder wach oder beginnen erneut zu weinen und schlucken dabei unter Umständen noch mehr Luft.

    Je entspannter ihr die Situation angeht, desto entspannter ist oft auch euer Baby. Vertraue darauf, dass nicht jedes Bäuerchen "herausgelockt" werden muss. Ein Bäuerchen ist ein Angebot, keine Pflicht. Manchmal ist die größte Hilfe, dem Baby nach dem Trinken einfach etwas Ruhe zu geben und seine Signale zu beobachten.

    Was hilft gegen Luft im Bauch?

    Nicht immer lässt sich geschluckte Luft vermeiden, und das muss sie auch nicht. Viele Babys haben in den ersten Lebensmonaten einen noch unreifen Verdauungstrakt und lernen erst nach und nach, mit den kleinen Luftmengen im Bauch umzugehen.

    Folgende Maßnahmen können deinem Baby helfen: eine ruhige und entspannte Atmosphäre beim Stillen oder Füttern, ein gutes Anlegen an der Brust oder ein passender Flaschensauger, dein Baby in seinem eigenen Tempo trinken lassen und Hektik vermeiden, beim Fläschchenfüttern auf eine möglichst aufrechte Fütterungsposition achten, nach der Mahlzeit ein Bäuerchen anbieten, aber nicht erzwingen, sanfte Bauchmassagen oder kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn, wenn dein Baby sie angenehm findet, die Beinchen spielerisch wie beim Fahrradfahren bewegen sowie viel Nähe, Körperkontakt und Tragen, das beruhigt viele Babys und kann ihnen helfen, sich zu entspannen.

    Mein Hebammen-Tipp: Nicht jede Methode hilft jedem Baby, und auch nicht an jedem Tag. Was heute gut funktioniert, kann morgen schon anders sein. Vertraue auf dein Bauchgefühl, beobachte dein Baby und probiere in Ruhe aus, was ihm im jeweiligen Moment guttut.

    Wann solltest du ärztlichen Rat einholen?

    Bauchgrummeln, Pupse und gelegentliches Spucken gehören bei vielen Babys zur normalen Entwicklung. Manche Babys spucken nach fast jeder Mahlzeit kleine oder auch größere Mengen Milch, ohne dass sie dadurch Beschwerden haben oder schlechter zunehmen. Solange dein Baby zufrieden wirkt, gut trinkt und sich altersgerecht entwickelt, ist das in den meisten Fällen unbedenklich. Babys spucken oft beeindruckend viel, tatsächlich ist es häufig deutlich weniger, als es auf dem Spucktuch aussieht.

    Es gibt jedoch Situationen, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Wende dich an deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt, wenn dein Baby wiederholt schwallartig erbricht, schlecht trinkt oder die Nahrung häufig verweigert, nicht ausreichend zunimmt oder Gewicht verliert, sich über längere Zeit kaum beruhigen lässt und ungewöhnlich schrill schreit, einen stark aufgeblähten, harten oder druckempfindlichen Bauch hat, Blut im Stuhl hat, Fieber entwickelt oder dir insgesamt ungewöhnlich krank oder schlapp erscheint.

    Mein Hebammen-Tipp: Vertraue auch deinem Bauchgefühl. Wenn dir das Verhalten deines Babys Sorgen macht oder dir etwas ungewöhnlich vorkommt, ist es immer in Ordnung, deine Hebamme oder deine Kinderärztin bzw. deinen Kinderarzt um Rat zu fragen. Gerade in den ersten Lebenswochen gibt es keine dumme Frage, dafür sind wir da.

    Nicht jedes Baby braucht nach jeder Mahlzeit ein Bäuerchen, und das ist völlig normal. Beobachte dein Baby, vertraue auf seine Signale und gib euch beiden Zeit, euch kennenzulernen. Mit jedem Tag wächst dein Gespür dafür, was dein Baby braucht, und genau das ist oft wichtiger als jede Regel.

    Love, eure baybies Hebamme Ana 🤍